Dieser Blog ist der stetige Austausch und die kontinuierliche Präsentations-Plattform für Ideen und Konzepte hinter dem wirtschaftlichen Wachstum. Das klassische Wachstum, so wie wir es kannten, trägt ein Verfallsdatum! Was kommt danach? Was bewegt und motiviert uns? Wohin gehen wir? Geradewegs ins Zeitalter der Psyche plus aller neuen Erkenntnisse der Hirnforschung oder ins Sein statt Haben? Ist das vielleicht fast Ein- und Dasselbe? Oder gibt es vielmehr Grautöne als wir erahnen? Was denken Sie?


Reden Sie mit! Bloggen Sie mit! Präsentieren Sie mit! Veröffentlichen Sie hier! Diskutieren Sie hier! – Vielen Dank!

Dienstag, 7. September 2010

Marketing-Akte 2010

Vom „alten“ zum „neuen“ Marketing zur Transformation und Konvergenz

Das alte Marketing ist tot - es lebe das Neue!


Klassisches Marketing

Positionierung
Penetration
Der Konsum als triviale Maschine

Neues Marketing
Emotional Leadership
Marken-Mythen
Der Konsument als selbstreferentielles System

Der neue Verbraucher

früher/heute
# Der Große imponiert.
# Der Kunde ist mit seinen Erfahrungen allein.
# Dinge, Objekte, Fakten stehen im Mittelpunkt.
# Der Besitz einzelner Dinge ist wichtig.
# Der materielle Aspekt dokumentiert.
# Der Produzent drückt seinen Auffassung durch.
# Gute Differenzierung der Produkte und Angebote.
# Begrenztes gefühlsmäßiges Engagement beim Erwerb.
# Kauf und Konsum innerhalb eines vorgegebenen Ordnungssystems (Konsumhierarchie).
# Klarer Verlauf und einigermaßen berechenbarer Ausgang eines Kaufvorgangs.

heute/künftig
# Das Kleine ist sympathisch.
# Der Kunde ist vernetzt, Erfahrungen werden weitergegeben.
# Prozesse, Beziehungen, Abläufe dominieren.
# Einbezug der Dinge in ein größeres System.
# Produkt muss eine Bereicherung, ein Versprechen sein.
# Kommunikationssystem Kunde - Produzent - Kunde.
# Kaleidoskopartiger Wechsel herrscht vor.
# Konsumenten investieren Gefühle und Überzeugungen.
# Verschiedene Ordnungen bestehen nebeneinander und haben jede ihre Gültigkeit.
# Unsicherer Verlauf und zufälliger Ausgang eines Kaufprozesses.

alt/bisher
# Zielgruppen
# Strategien
# Manipulation
# Kampagnen
# Hersteller-Orientierung
# Marketing

neu/transformiert
# Umfeld
# Fließen
# Arrangement
# Eigene Medien
# Holistische Orientierung
# Networking/Interfusion/Mimesis

Die Herausforderungen
# Emotional-Leaderchip
# Gleichzeitigkeit ungleicher Kommunikation
# Fließen der Inhalte

Die Konzepte (Kotler)
# Strategisches Allianzen
# Mehrkanal-Dynamik
# Turbo-Marketing


Altes Paradigma
# Reaktions-Zwang
# Steuerung
# Zielgerichtetheit
= Modell der trivialen Maschine

Neues Paradigma
# Selbstgestaltung
# Teilnahme
# Offenheit
=
Modell der Autopoiesis





Montag, 6. September 2010

Abschied vom IQ

Die herkömmlichen Tests zur Messung von Intelligenz greifen zu kurz. Heute definieren Wissenschaftler zehn Intelligenzbereiche, die darüber entscheiden, wie erfolgreich wir sind – im Beruf und im Leben.

Heute wird Intelligenz im Wesentlichen verstanden als „die Geschwindigkeit und Richtigkeit, mit der unbekannte Aufgaben gelöst werden“.

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass dazu vor allem drei intellektuelle Begabungen erforderlich sind ...

• die mathematische Intelligenz, also die Befähigung zur Abstraktion und logischem Denken;

• die räumliche Intelligenz, die sich darin äußert, wie man Räume, Formen und Gegenstände erfassen kann; und

• die sprachliche Intelligenz, das heißt die Fähigkeit, Mutter- und Fremdsprachen spielerische zu erlernen und anzuwenden.

Ein hoher Intelligenzquotient (IQ), der sich aus den drei Bereichen errechnet, gilt als das Nonplusultra intellektueller Begabung.


Ein europäischer Experte, der die Intelligenz eines Indios aus dem Amazonasbecken messen sollte, würde vermutlich einen niedrigen IQ feststellen – vor allem, wenn dieser Analphabet ist.

Umgekehrt würde der gelehrte Europäer jedoch versagen, wenn es um die Fähigkeit ginge, Tausende von Pflanzen zu unterscheiden und Fährten zu lesen.

Die Fächerschwerpunkte konzentrieren sich zu sehr auf die sprachlich orientierten Geisteswissenschaften und die mathematisch orientierten Naturwissenschaften. Sie fördern logisches Denken, Merkfähigkeit und Analysekompetenz.

Andere Aspekte lassen sie dagegen links liegen: Natur erlebbar machen, Geschicklichkeit trainieren, sich mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzen oder Musikinstrumente erlernen – alles dies wird zwar auch im Unterricht gemacht, ist jedoch stets von untergeordneter Bedeutung.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ fordert in einer Titelgeschichte daher zu Recht “Macht Musik!“ Im Lehrplan an den Schulen gerät das Fach nämlich immer mehr aufs Nebengleis. Die Ausfallquoten liegen bei 36% an Gymnasien und 63 % an Hauptschulen.

Musikalische Leistung lässt sich nicht metrisch messen. Und das gilt für viele der anderen Begabungen auch.

Kinder, die ab dem sechsten Lebensjahr einmal pro Woche mindestens zwei Stunden Musikunterricht hatten, ein Instrument lernten und im Ensemble spielten, konnten nach drei Jahren ihre Intelligenzleistungen, insbesondere das räumliche Vorstellungsvermögen, deutlich verbessern.

Sie waren aufnahmefähiger, sozial kompetenter und selbstbewusster. Man spricht hier von einem musischen „Transfer-Effekt“.

KarstadtQuelle-Vorstand Marc Sommer bestätigt diesen Effekt:

„Eine Orchesterpartitur zu studieren, ist eine sehr gute Ausbildung zur Analysefähigkeit und Komplexitätsreduktion“, sagt der Manager.
In 30 bis 40 Zeilen listet die Partitur die Noten der Bläser, Schlaginstrumente, Streicher und Chorstimmen untereinander auf.
Die Logik einer Partitur erfordere es, so Sommer, aus vielen Details ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Im Vergleich dazu kämen ihm strategische Fragestellungen, die sich in seinem Job ergeben, „viel leichter vor“.

Auch im direkten Umgang mit Menschen hätten Dirigenten und Firmenlenker „viele Parallelen“, ist Sommer überzeugt.

Sie müssen dafür sorgen, dass „jeder Einzelne in einer Gruppe Spitzenleistung bringt“, alle gemeinsam aber „einen harmonischen Klang“ erzeugen.

Für die Unternehmen bedeutet das Konzept der multiplen Intelligenz: Gleichmacherei ist der Anfang vom Ende. Teams sind vor allem dann produktiv, wenn sie vielfältige Intelligenzen zulassen, ohne das Ziel aus dem Auge zu verlieren.


Lässt sich Intelligenz lernen?

Erfahrungen zeigen, dass sich die drei klassischen Begabungen durch regelmäßige Übungen nachweislich verbessern lassen.

Wer die Aufgaben eines IQ-Tests regelmäßig löst, programmiert sein Gehirn auf diese Lösungswege und kann das Ergebnis so „um bis zu 20 Punkte nach oben verbessern“, weiß Johannes Hoppe.

Der Psychologe Johannes Hoppe entwickelt die Testaufgaben für den Verein „Mensa“ bei dem Leute erst ab eine IQ von 130 aufgenommen werden.

Die sozialen Komponenten der Intelligenz verbessern sich oft mit zunehmendem Alter, weil sie vor allem auf den Erfahrungsschatz des Menschen zurückgreifen.

Andere Fähigkeiten, wie die musikalische oder die körperlich-kinästhetische werden einem dagegen meist in die Wiege gelegt oder in jungen Jahren anerzogen.

Vor allem in jungen Jahren, wo das Neuronenwachstum im Gehirn am aktivsten ist, entwickelt sich die fluide Intelligenz am stärksten. Im Alter von etwa 15 Jahren erreicht sie ihren Höhepunkt, vom 22.Lebensjahr an bildet sie sich dann langsam zurück.

Neues zu lernen dauert dann immer länger!


Die Biografien spiritueller und religiöser Führer zeigen, dass sie meist bereits in jungen Jahren die Fähigkeit schulten, gedanklich über das menschliche Vorstellungsvermögen hinauszugehen.
Im Unterschied zur fluiden Intelligenz, die sich in jungen Jahren entwickelt, speist sich die sogenannte kristalline Intelligenz in erster Linie aus den Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht.

Entsprechend nimmt sie mit steigendem Alter nicht ab, sondern legt eher noch zu: Je abwechslungsreicher das Leben und je größer die dabei zu meisternden Herausforderungen, desto größer auch der Erfahrungsschatz, auf den jemand später zurückgreifen kann!

Die Anzahl der Nervenzellen wächst auch noch, wenn wir älter werden – vorausgesetzt, sie werden stimuliert.

„Adulte Neurogenese“ nennen Forscher das Phänomen – eine der wichtigsten Erkenntnisse der Hirnforschung. Ältere Menschen brauchen also nicht länger zusehen, wie ihre geistige Leistungsfähigkeit nachlässt. Im Gegenteil: Durch regelmäßige und intensive Herausforderungen steigern sie ihr Denkpotenzial und regen ihre verschiedenen Intelligenzbereiche an.

Hauptsache, raus aus Trott und Routine: Sie sind Gift für den Geist!

Die zehn Intelligenzen


1. Mathematische Intelligenz
Darunter verstehen Experten die Fähigkeit abstrakt zu denken und logische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Diese Menschen beherrschen den Umgang mit Beweisketten. Sie erkennen Ähnlichkeiten und Regeln zwischen Dingen, Zahlen, Mengen. Wie Albert Einstein, der mit der Relativitätstheorie, an der er mehrere Jahre forschte, das Verständnis zwischen Raum und Zeit revolutionierte.

Albert Einstein (1879 – 1955)
Der Physiker bewies, dass Gravitation Lichtstrahlen ablenkt. Im Jahre 1921 erhielt er den Nobelpreis für Physik, allerdings für eine Arbeit, mit der er die Grundlage einer Quantentheorie der Strahlung legte.

2. Räumliche Intelligenz
Diese Methode können Formen, Raume und Gegenstände visuell erfassen. Sie denken häufig dreidimensional und experimentieren gedanklich mit den Bildern. Dadurch geben sie ihren Ideen Gestalt.

So meißelte der italienische Bildhauer Michelangelo Buonarroti Anfang des 16. Jahrhunderts die David-Figur aus einem einzigen Marmorblock.

Sein Talent verewigte er insbesondere in der Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Sie zeigt auf mehr als 500 Quadratmetern Szenen aus der Genesis mit mehreren Hundert Fresken. Mit Unterbrechung arbeitete er daran rund zehn Jahre, wobei er dabei perspektivische Verzerrungen perfekt berücksichtigte.

Michelangelo Buonarroti (1475 – 1564)
Dank seiner räumlichen Intelligenz schuf der italienische Maler im
16. Jahrhundert perfekte Fresken und Statuen.

3. Sprachliche Intelligenz
Sie beschreibt die Fähigkeit, mit Wörtern umzugehen. Eloquente Menschen formulieren treffsicher, was sie gerade denken oder fühlen.

Sie verfügen über einen großen Sprachschatz, der es ihnen ermöglicht, sowohl das eigene Handeln zu reflektieren als auch andere zu verstehen.

Der deutsche Dichter Johannes Wolfgang von Goethe etwa verfügte über einen Wortschatz von 90.000 Wörtern, während der Durchschnittsbürger je nach Bildungsgrad zwischen 2.000 und 5.000 Begriffe verwendet. Goethes literarischer Perfektionismus drängte ihn dazu, begonnene Dichtungen oft Jahre, manchmal Jahrzehnte liegen zu lassen und bereits gedruckte Werke erheblich umzuarbeiten.

Johann W. von Goethe (1749 – 1832)
Seine sprachliche Intelligenz war beeindruckend. Geschätzte 90.000 Wörter zählte der Dichter zu seinem Repertoire.

4. Naturalistische Intelligenz
In diesem Bereich bewegen sich erfolgreiche Förster, Botaniker, Biologen, Tierärzte und Umweltexperten. Sie haben eine stark ausgeprägte Sensibilität für Natur und ihre Produkte.

Auch Spitzenköche gehören zu dieser Gruppe. Sie sind in der Lage, Pflanzen einzuordnen, zu unterscheiden und zu kombinieren.

Der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt zählt zu den bedeutendsten Vertreter. Als Junge galt er als lernunwillig, aber er begeisterte sich für Insekten, Steine und Pflanzen. Freunde nannten ihn den „kleinen Apotheker“.

Als Erwachsener bereiste er Amerika und Zentralasien. Seine Feldforschung Anfang des 19. Jahrhunderts machten ihn zu einem Wissenschaftsgenie seiner Zeit.

Alexander v. Humboldt (1769 – 1859)
Der Naturforscher gilt als Begründer der Pflanzengeografie. Seine naturalistische Intelligenz prägte ihn schon als Kind.

5. Musikalische Intelligenz
Geniale Komponisten, Sänger und Musiker werden seit Jahrtausenden bewundert. Wie das Beispiel des 14-jährigem Matt Savage zeigt, ist das Talent auch eine geistige Leistung. Der hyperaktive Amerikaner lernte mehr oder weniger über Nacht Klavierspielen und gilt heute als „Mozart des Jazz“.

Musiker entdecken ihr Talent meist schon in frühen Jahren. Keine andere Gabe wird früher offenkundig als das Talent für Töne, Rhythmen und Noten. Wolfgang Amadeus Mozart etwa schrieb schon im Alter von 5 Jahren seine ersten Kompositionen, mit sechs Jahren gab er bereits Konzerte.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Seine musikalische Intelligenz setzte er schon als 5-Jähriger in Kompositionen um.

6. Kinästhetische Intelligenz
Auch körperliches Geschick zählt zur Intelligenz: Kaum einer beherrscht die Fähigkeit, seinen Körper so vielgestaltig und geschickt einzusetzen wie Tänzer oder Pantomimen. Sie sind in der Lage, mit Körperbewegungen und Gesten die Welt auszudrücken.

Konkretes wie den Schmetterling oder Meereswogen, Abstraktionen wie Freiheit oder Knechtschaft.

Im Stummfilm zeigt sich dieses Talent, wie etwa bei Charlie Chaplin, noch deutlicher. Aber nicht nur Schauspieler benötigen diese Fähigkeit, sondern auch Sportler oder Chirurgen.

Ein Arzt, der beispielsweise am offenen Herzen operiert, braucht ebenso geschickte Fingerfertigkeiten wie Körperbeherrschung.

Charlie Chaplin (1889 – 1977)
Die körperliche Ausdrucksstärke verdankt der Stummfilmstar seiner kinästhetischen Intelligenz

7. Existenzielle Intelligenz
Philosophen, Priester und Schriftsteller besitzen meist einen ausgeprägten spirituellen Intellekt. Sie stellen grundlegende Fragen über die Welt und die Menschen und entwickeln dazu auch Antworten.

Sie gehen der Herkunft und Zukunft von Dingen auf den Grund und ordnen gesellschaftliche Beobachtungen in einen Gesamtkontext.

Auch Manager brauchen dieses Talent, wenn sie Mitarbeitern etwa den Sinn ihrer Arbeit verdeutlichen wollen.

Immanuel Kant begründete mit seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft“ 1781 den Beginn moderner Philosophie.

Er erarbeitete die moralphilosophische Grundlage der zufolge Menschen nach derjenigen Maxime zu handeln haben, die zugleich ein allgemeines Gesetz werden könnte.

Dieser kategorische Imperativ beeinflusst die Moraldebatten bis heute.

Immanuel Kant (1724 – 1804)
Seine Thesen im 18. Jahrhundert kennzeichnen den Beginn der modernen Philosophie. Solche Gedanken basieren auf existenzieller Intelligenz.

8. Interpersonale Intelligenz
Wer sie besitzt, kann die Motive und die Wünsche anderer erkenne und verstehen.

Diesen Menschen fällt es leichter, die persönlichen Stärken anderer zu stimulieren.

Gute Lehrer, Verkäufer und Politiker verfügen fast immer über diese Form der Empathie.

Die französische Modeschöpferin und Unternehmerin Coco Chanel beispielsweise verstand etwas von den Bedürfnissen der Frauen. Sie entwarf in den Zwanzigerjahren ein kurzes schwarzes Kleid, weil sie erkannte, dass Frauen auf dem Emanzipierungs-Trip waren.

Bis dahin war Schwarz vor allem die Farbe der Kriegerwitwen des Ersten Weltkrieges. Doch tatsächlich, erkannte Chanel, wollten Frauen jung, hübsch und selbstbewusst aussehen. Das „kleine Schwarze“ befreite sie von der einschnürenden Kleidung.

Coco Chanel (1883 – 1971)
Aufgrund ihrer interpersonalen Intelligenz erkannte sie, was Frauen 1926 wollten: ein kurzes Kleid in Schwarz.

9. Intrapersonale Intelligenz
Sie wird nur von wenigen beherrscht und viel zu oft unterschätzt. Menschen mit dieser Begabung haben die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen.

Sie verstehen, was sie antreibt, wo ihre Stärken liegen und erreichen so einen Abgleich zwischen den eigenen Wünschen und realistischen Zielen.

Häufig sind diese Menschen deshalb auch die glücklicheren Menschen. Erfolgreiche Künstler, Schriftsteller und Schauspieler verfügen über diese Begabung.

Für Manager sollte diese Begabung Pflicht sein!

Der Mann, der die Selbsterkenntnis als Grundlage des Seins und Seelenfriedens wissenschaftlich beschrieb, ist Sigmund Freud, der Erfinder der Psychoanalyse.

Erstmalig spricht Freud davon 1896. Beim Untersuchen seiner Patienten entdeckte er, dass die Ursachen von Traumatisierung und damit die Ausprägung der Persönlichkeit oft in weit zurückliegenden Kindheitserfahrungen zu finden sind. Wer sie erkennt, kann geheilt werden.

Sigmund Freud (1856 – 1939)
Er beschrieb die Selbsterkenntnis als Grundlage für das Sein, intrapersonale Intelligenz befähigte ihn dazu.

10.Emotionale Intelligenz
Der amerikanische Psychologe Daniel Coleman brachte das Phänomen Mitte der Neunzigerjahre in die wissenschaftliche Debatte ein und löste damit ein Umdenken in Chefetagen aus.

Die Abgrenzung zur interpersonalen und intrapersonalen Intelligenz ist allerdings nicht trennscharf. Für Coleman sind emotional Intelligente nicht nur in der Lage, Gefühle der anderen und die eigenen zu erkennen – sie können diese vor allem auch bewusst kontrollieren, weshalb sie gerade in brenzligen Situationen den kühleren Kopf behalten.

Dem Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung Mahatma Gandhi wird diese mentale Stärke nachgesagt.

Er propagierte den gewaltfreien Widerstand, und obwohl er zahlreiche Demütigungen zu ertragen hatte, schaffte er es, die Massen für seine Sache zu mobilisieren. Den Namen Mahatma erhielt Gandhi von Freunden erst im Laufe seines Lebens. Übersetzt heißt er „Große Seele“

Mahatma Ghandi (1869 – 1948)
Der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung mobilisierte Massen und gilt bis heute als typischer Vertreter emotionaler Intelligenz

Mittwoch, 1. September 2010

Was ist Neuromarketing? Ist Neuromarketing neuronales Marketing?

Basisüberlegungen und Begriffsklärungen.


Es kommt auf die Verfassung an ...


Es gibt viele Wirkungsmodelle, insbesondere zur Messung von Kommunikationswirkung im Marketing, die dazu dienen sollen, die Frage zu klären: Wie kommt eine Marke bei Zielgruppen an?


Um Zielgruppen geht es heute schon lange nicht mehr, sondern um Stil-, Sinn-, Wunschtraum- und Verfassungs-Gruppen. Mit Verfassung ist gemeint, der Mensch als holistisches Wesen und nicht als Empfänger von Kommunikationsbotschaften!


Die Psychologie und Tiefenpsychologie geht davon aus, dass es in jedem Menschen die unterschiedlichsten Verfassungen zu unterschiedlichen Zeiten in Bezug auf die Rezeptions- und Empfangssituation von Kommunikation und Markenbotschaften gibt. Marken stellen heute Beziehungen her, nichts anderes. Marken entstehen nicht in erster Linie in Unternehmen und Konzernen, die diese Marken erfinden und entwickeln, sondern in den Köpfen der Menschen!

Das neuronale Marketing soll die Wirkung von Marken und Markenkommunikation entschlüsseln. Die Wirkung von Marken und ihre Kommunikation werden mit den Erkenntnissen der Neuropsychologie decodiert. Der Hintergrund ist die Umsetzung der Markenpositionierung durch Kommunikation: meistens ein Engpass bei dem Aufbau von Marken, weil zwischen Konzept und Umsetzung Lücken klaffen!


Diese Lücken führen dazu, dass die Marken, nicht wie gewünscht, den so genannten Konsumenten, der schon seit fünf Jahren eher als Prosument bezeichnet werden muss, erreichen. Er ist der eigentliche Markengestalter. Es gibt Verwechslungen, es gibt konzeptionelle Gaps, es gibt auch Verständnisprobleme. Der Härtetest: Markenlogo abdecken und fragen, „Um welche Marke handelt es sich hier?“, führt meistens zu falschen Ergebnissen!


Das führt zu Wirkungsverlusten, aber nicht nur die Wirkungsverluste sind der Mangel in der Kommunikation, sondern noch viel wichtiger, die nicht existierende oder mangelhafte konzeptionelle, neuronale- und gehirngerechte Gestaltung.


Marken sind Netzwerker im Gehirn!


Bei jeder Veränderung einer Markenpräsentation werden im Gehirn neue neuronale Netzwerke aufgebaut, die die Markenpräsentation der Marke mit dem Gehirn verknüpfen müssen. Bei dieser Umstrukturierung im Gehirn treten oft Fehler auf, denn neue Markenpräsentationen werden nur sehr schwer gelernt. Das Gehirn liebt es einfach! Diese Umlernphase beträgt mindestens zwei Jahre. Wenn eine Umstrukturierung erforderlich ist, sollte die alte Markenpräsentation mit neuen Inhalten verknüpft werden! Also behutsames Verändern, um die bekannte Vertrautheit, Sicherheit und Bekanntheit nicht zu zerstören. Diese Tatsache basiert darauf, dass das Gehirn dann am effektivsten lernt, wenn alte mit neuen Inhalten verknüpft werden.


Es ist ganz wichtig, Markensignale beizubehalten (Core-Signals); gleichgültig im welchem Stadium die Marke sich auf der Zeitachse befindet bzw. es Änderungsnotwendigkeiten gibt. Durch die Markensignale kristallisiert sich ein Brand-Code heraus. In der Umsetzung, insbesondere in der gestalterischen Umsetzung sind die Key-Visuals (aber eben nicht nur die, das ist der Vordergrund) im Hintergrund! Es kommt darauf an, die neuronalen Anker, die dann, wenn sie unbekannt sind, neu gelernt werden müssen! Oder wenn sie nicht verstanden werden, nicht effizient arbeiten.


Diese uneffiziente Aktivierung verlangsamt oder behindert den Aufbau neuronaler Netze und führt zu Wirkungsverlusten in der Markenkommunikation!


Die Begegnung mit der Marke, also ihre Präsentation, ist auch ihr Gesicht. Damit wird die Persönlichkeit der Marke ausgedrückt, das neuronale Markennetzwerk im Kopf der Menschen. Damit die Inhalte und Bezugspunkte der Marke auch nachhaltig im Kopf bleiben, sollte die Darstellung der Marke konstant sein. Häufige Wechsel können zu abnehmender Identität der Marke führen!


Die Wirkung von Marken treten in Hirnregionen auf, auf die die Menschen keinen Zugriff haben. Hier schlägt die große Stunde des Neuromarketings. Es entschlüsselt die unbewussten Vorgänge und Wünsche im Gehirn des Menschen.


Die Informationsaufnahme im Gehirn


Das Gehirn ist der größte Computer der Welt und nimmt innerhalb von einer Sekunde elf Millionen Sinneseindrücke auf. Jeder Ton, jeder Reiz, jede visuelle oder auditive Botschaft löst mehrere Tausend Impulse und Bahnungen im neuronalen System aus. Das Heben der Hand, jeder Wimpernschlag sind ebenfalls mehrere Tausend Impulse im neuronalen System.


Von den elf Millionen Sinneseindrücken werden allerdings nur ca. vierzig im Arbeitsspeicher des Gedächtnisses aktiv wahrgenommen und so verarbeitet, dass wir darüber nachdenken können. Was passiert mit dem Rest? Der Rest geht ins Unterbewusstsein. Dort wird er zunächst anscheinend vergessen; manchmal schmort er dort auch und kommt in Träumen wieder nach oben! Manchmal kommt es auch zu vulkanartigen Ausbrüchen emotionaler Art.


Also 10.999.960 Sinneseindrücke werden unbewusst verarbeitet. Alle nonverbalen Impulse, z. B. Wärme auf der Haut gelangen unbewusst, also implizit in das Gehirn.


Ähnlich läuft das bei der Markenkommunikation ab, die zum größten Teil implizit verarbeitet wird. Das Gehirn nimmt Informationen über zwei Systeme auf, das implizite System, den Autopiloten, und das explizite System, den Piloten.


Implizit und explizit


Das explizite System steuert aktiv die Kommunikation. Es ist der Bereich des Gehirns auf den die Menschen Zugriff haben! Das explizite System regelt Denken, bewertet Fakten, steuert die Sprache und ist Spiegel unserer Vernunft. Das implizite System ist der Autopilot. Es arbeitet unbewusst, es nimmt Informationen aus Lernvorgängen z. B. Werbung, Emotionen, Regeln, Stereotypen, Automatismen, Markenassoziationen, spontanes Verhalten und intuitive Entscheidungen auf. Ferner werden dort neben Emotionen auch eine Reihe kognitiver Prozesse geregelt.


Die nonverbale Kommunikation ist das Lernen und Speichern von Markenbotschaften. Dort setzt ein „wunderbarer“ Ablauf ein. Das implizite System wird tätig bei Entscheidungen, die unter Zeitdruck gefällt werden müssen, z.B. bei zu großer Informationsfülle. Bei „information-overload“ selektiert es automatisch die Informationen. Markenwahl und Kaufentscheidungen werden mit dem impliziten System abgewickelt. Man geht davon aus, dass es bis zu 95% des Kaufverhaltens steuert!


Explizit, die Aufmerksamkeit des menschlichen Gehirns zu stimulieren und zu beeinflussen, hilft meistens nicht oder nicht so viel wie im impliziten System. Im expliziten System wird in alter kommunikationstheoretischer Ausrichtung, „Sender-Empfänger Modell“, heute immer noch nach dem schon lange nicht mehr tauglichen „AIDA- Modell“ gearbeitet! Zum Beispiel mit Sex, Tabu-Brüchen oder prominenten Personen in Form von Testimonials.


Die Ansprache des impliziten Systems ist wirkungsvoller, da Informationen unbewusst im Gehirn des Kunden aufgenommen werden.


Brand-Code-Management (BCM)


Die Brand-Code-Management Methode ist die verfeinerte Weiterentwicklung eines Modells, das in den Anfängen auf den Erkenntnissen und den Arbeitsweisen von Hans Domizlaff basierte und vor 20 Jahren, z. B. im Brand Character Modell von Grey, weiterentwickelt worden ist.


Brand-Code-Management ist die Methode der Markenpräsentation auf der Basis der Neuropsychologie. Es ist ein Modell der Strategieformulierung, –umsetzung und –evaluierung damit Marken Eingang in das implizite System der Menschen finden!


Das BCM ist die neuropsychologische Sichtweise, dass Marken in neuronalen Netzwerken gespeichert werden. Insofern ist es nicht so, dass die Marke von den so genannten „Markenmachern“ gemacht werden, sondern Marken entstehen in den Köpfen der Menschen. Die Speicherung der Marken und die Bedeutung der Marken für die Menschen kann durch neue Verknüpfungen in Markennetzwerken gesteuert und verändert werden!


Das neuronale Markennetzwerk setzt sich aus zwei Ebenen zusammen: Die eine Ebene sind die Motive, die für differenzierte Positionierungen und deren Relevanz zuständig ist, die andere: die gesendeten Markensignale (Brand-Codes), die die Verbindung zu den tiefen Motiven und Überzeugungen im menschlichen Gehirn bilden.


Hier war die Tiefenpsychologie vor gut 25 Jahren Wegbereiter, in dem sie die Motive hinter den Motiven erforscht hat. Warum trinke ich dieses oder jenes Bier? Die erste Antwort lautet in der Regel: „Weil es mir schmeckt!“ Dahinter stehen tiefergehende Motive, bei Becks z. B. Freiheit, bei Jever Individualität. Insgesamt bei Bier eine Art von „Verflüssigungsversprechen“, die das Leben einfacher machen.


Der Renault Twingo ist auch nicht hauptsächlich das sparsame, praktische Auto, sondern dahinter steht eine Welt der Freiheitsliebe und des Regelbrechens, mit der französischen Revolution angefangen über Liebe und Paris bis hin zu Jeanette, Baguette und „Zigarette“.


Brand-Code-Management konzentriert sich auf drei Bereiche:

1) die Markenpositionierung über Motive und Emotionen

2) Implementierung der Codes

3) Erfolgskontrolle durch implizite Messverfahren


Zu 1: Emotionen und Motive sind die Auslöser des Kaufverhaltens

Marken, die unsere Motive und Bedürfnisse befriedigen, lösen neuronale Belohnungsreaktionen aus! Das ist der Grund, warum uns starke Marken ansprechen. Neuroökonomisch gesehen ist das eine Entscheidung auf zwei Ebenen: Die Ebene des „Haben-Wollens“ und die Ebene des Preises. Je stärker das Haben-Wollen ausgeprägt ist, umso mehr wird ein höherer Preis akzeptiert. Marken, die keine Motive bedienen oder übertragen, sind nicht interessant oder werden nur aufgrund des Preises gekauft. Für die Bedeutung der Marken gibt es ein Markenmuster in drei Motivklassen:

- Balance

- Stimulanz

- Dominanz


Das ist eine Roheinteilung, die aus heutiger Sicht etwas überholt erscheint, weil es aufgrund von verschiedenen, von sehr vielen Verfassungssituationen der Menschen und ihrer Gehirne nicht so einfach läuft, sondern in subtilen Verkettungen und Bahnungen über diese drei Kategorien.


Zu 2: Die Implementierung über Codes

Die Codes sind die Bedeutungselemente einer Marke. Damit werden von Sinn-, Stil- oder auch früher so genannten Zielgruppen die Positionierung der Marke gelernt. Diese Codes werden in vier Bedeutungsmuster eingeteilt:

- sensorische Codes

- episodische Codes

- symbolische Codes

- sprachliche Codes


Sensorische Codes stellen alles dar, was konkret wahrnehmbar ist und die Sinne stimuliert. Zum Beispiel Farben, Formen, Größe oder Typografie. Episo Episodische Codes stellen eine Geschichte dar (Story-Telling). Symbolische Codes sind Markenlogos, Handlungsplätze, Gesten und Figuren. Sprachliche Codes sind das gesprochene und geschriebene Wort.


Ideal, ist es, wenn Markenpositionierungen mit kulturell gelernten Mustern übereinstimmen.


Die Codes rufen Erinnerungen, gelernte Muster, ab! Gelernte Bedeutungs- und Präferierungsmuster von Marken. Sie geben Nähe, Bedeutung, Balance oder Stimulanz. Alles in allem ist die Brand-Code-Analyse ein Verfahren, das kulturwissenschaftliche Bedeutungsmuster mit psychologischen Verfahren verbindet.


Zu 3: Erfolgskontrolle mit impliziten Messverfahren

Hier geht es um Reaktionszeiten, die auf einem Bildschirm gemessen werden. Dem Probanden werden Bilder und Worte gezeigt. Nehmen wir das Beispiel Brad Pitt als Bild und als Wort Mann und als nächste Teststufe Boy George und Mann. Beim ersten Testvorgang ist die Reaktionszeit sehr kurz, beim zweiten ist sie länger.


Je enger zwei Konzepte im Gehirn assoziiert werden, desto geringer ist die Reaktionszeit. Das basiert auf den assoziativen Netzwerken im Gehirn. Die Netzwerke bestehen aus Knotenpunkten mit unterschiedlich starken Verknüpfungen, die die Elemente Bild Brad Pitt und Wort Mann schneller assoziieren, als Boy George und Mann.


Darüber hinaus gibt es das Priming-Paradigma-Verfahren. Hier werden Reaktionszeiten in der Art und Weise gemessen, dass Werbemittel als Reiz in ein Markennetzwerk hinein gegeben werden. Starke Marken aktivieren dabei das Markennetzwerk ohne dass die Probanden das Markenlogo sehen.


Was bedeutet das Alles, welche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus?


Neuropsychologie und –marketing liefern ausgezeichnete Erkenntnisse über das Gehirn und seine Funktionsweise.


Damit gibt es zur Zeit zum Teil auch vollkommen neue Möglichkeiten und Ansätze, Marken und Markenauftritte zu gestalten und ihre Wirkung zu kontrollieren. Wer heute über Neuromarketing spricht, spricht meistens über die Kontrollfunktion, nämlich die der kommunikativen Wirkung oder die so genannte Werbewirkungskontrolle.


Neuromarketing ist eng verknüpft mit Online- und Viral-, Digital- oder Schwarmintelligenz-Marketing. Insofern haben sich zwei Entwicklungen, d. h. einerseits die neuropsychologische Komponente und andererseits die informationstechnologische Komponente aufeinanderzubewegt.


Marken im Internet oder mit überwiegenden Internetauftritten, sind etwas vollkommen anderes als bisher etablierte Marken, die überwiegend mehrheitlich über Printmedien kommunizieren. Die Wirkungskontrolle im Online- und Dialogmarketing ist sofort gegeben. Deshalb mussten neue Gestaltungsansätze her, die weniger von Annahmen ausgehen, sondern wirklich wirken! Daraus folgt auch eine vollkommen neue Marktforschung, die in der früheren, historischen Form, nicht mehr erforderlich ist, weil jede Marke im Online- und Viralen- Raum über genügend Rückkanäle verfügt, die sofort Annahme oder Ablehnung zeigen.


Das, was bislang gelogen war hat sich als Lüge enttarnt. „Herrschafts- oder Feldherren-Wissen“ von so genannten Markenmachern, seien es nun große Konzerne oder die mittelständische Unternehmen gewesen, haben ausgedient!


Mit dem Brand-Code-Management lassen sich Implementierungslücken im Markenauftritt schließen oder vermeiden. Markenmanagement wird wirklich effizient. Die Brand-Code-Analyse gibt Auskunft darüber, wie die jeweilige Kommunikationsstrategie in die Markenwelt eingegliedert ist. Aufgrund sensitiver und multisensorischer Messverfahren ist das Brand-Code-Management in der Lage das implizite System, d.h. den Autopiloten der Menschen, in seiner Kommunikationswirkung, und damit ist hier Interfusion und Transformation gemeint, darzustellen und zu beweisen.


Alles in Allem heißt das: größere Zielsicherheit, größere Treffsicherheit im positiven Sinn! Der Abschied vom Marketing zu einer Kommunikation mit echten Dialogen! Darüber hinaus ein Informationsaustausch als so genannte Schwarm-Intelligenz hinsichtlich von Empfindungen, Gefühlen und Emotionen. Also alles das, was eine Marke ausmacht!

Neuropsychologie/Neuroökonomie – Der „Konsument“ – Ratio gesteuert oder Opfer seiner Gefühle?!

1. Einleitung


Der so genannte Homo Oeconomicus hat noch immer einen großen Platz in der Marketingliteratur. Jetzt kommt ein neuer Menschentyp auf den Plan, der kreative Sinn-Mensch in ebensolchen Sinn- und Stil- Gruppen.


Wo geht die Reise hin? Basiert die Diskussion auf Ratio contra Emotion? Was steuert den Menschen, der schon lange nicht mehr nur Konsument ist, sondern mündiger Mitgestalter von Marken und Protagonist der Markenaura im Web.


Gibt es den, allegorisch betrachtet, „Autopiloten“ im Kopf oder gibt es ihn nicht?


Marken waren schon immer etwas Psychologisches. Marken wurden auch in der Vergangenheit nicht von den so genannten Markenmachern von Konzernen oder mittelständischen Unternehmen gemacht, sondern sie entstanden in den Köpfen der Menschen. Demnach ist eine Marke also etwas Psychologisches und nicht Physisches. Insofern kann man Marken nur begrenzt verdinglichen oder anfassen! Die Neurowissenschaften haben in den letzten zehn Jahren dazu viele Beiträge geliefert, richtig Fahrt hat das Thema erst in den letzten zwei bis drei Jahren aufgenommen!


2. Ursache und Wirkung – was war, was ist, was kommt?


Es fing an mit der Werbewirkungsforschung, es ging um Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, also um kommunikative Wirkungsoptimierung in jeder Hinsicht. Meines Erachtens gibt es in den Gebieten Neuropsychologie und Neurobiologie noch ein großes Potenzial, weil das Gehirn noch weitgehend unerforscht ist. Es gibt viele Werbewirkungs- und Kommunikationsforschungsbilder, die schön anzusehen sind! Man weiß, welche Regionen im Gehirn tätig werden, aber man kennt die Vernetzung und die Motive nicht.


Müssen wir uns vom Homo Oeconomicus verabschieden, der nach rationalen Kriterien entscheidet? Sind wir in erster Linie gefühlsgetrieben, also der „unreflektiert“ gesteuerte Mensch?


Vieles, was im Augenblick passiert geht weit über ursprüngliches Marketing-, Kategorisierungs- und Benennungsdenken hinaus. Wie werden Entscheidungen getroffen? Vermutlich ist es so, dass wenn wir uns entscheiden, wir uns schon vorher innerlich entschieden haben. Aufgrund vieler Verschaltungen und neuronalen Bahnungen, die Haltungen, Werte etc. determinieren.


Der Abschied vom Homo Oeconomicus ist deshalb auch dramatisch, weil er bislang zumindest die theoretische Basis für Vieles im Marketing und in der Psychologie gebildet hat. Also: Ein Mensch, getrieben von Kosten-Nutzen-Analysen! Inzwischen zeigt sich immer mehr, dass das in unseren Gehirnen nicht stattfindet!


Keiner weiß bis heute genau was Emotionen sind. Obwohl emotionales Marketing zur Zeit das Thema Nummer Eins ist.


3. Ich fühle, also bin ich!


Vermutlich ist es so, dass 90% der Kommunikation intuitiv von einem inneren Autopiloten gesteuert wird, davon ist allerdings wahrscheinlich nur ein Teil Emotion.

Es ist doch nicht so, dass Emotion immer der Antipode der Ratio ist – das ist ein veraltetes Modell! Linke Gehirnseite – rechte Gehirnseite, vermutlich müssen wir uns von diesen Vorstellungen lösen.


Wahrscheinlich geht es in Richtung impliziter Prozesse. Mit implizit ist das gemeint, was Sigmund Freud als das Unbewusste bezeichnet hat, also das rein triebgesteuerte. Der Begriff implizit ist neutraler und erschließt neue Betrachtungs- und Bedeutungsfelder, die im Marketing noch nicht zu Ende gedacht worden sind.

In impliziten Systemen findet viel Kognitives statt. Der größte Teil des Gedächtnisses, die Muttersprache, Rechnen, Reden, Lernen, die Werte etc. können diesem Bereich zugeordnet werden!


Der innere Autopilot sendet Impulse, wahrscheinlich verliert man dann, wenn man ihn einschaltet sein Bauchgefühl. Man kann planen, Probleme diskutieren und Ziele verfolgen. Am besten lässt sich der innere Pilot mit Wille übersetzen. Wille ist Charakter in Aktion!


Bauchgefühle sind Aktivierungen von Hirnregionen, die zu intuitiven Handlungen führen. Die Intuition wiederum wird vom Autopiloten gelenkt. In Untersuchungen ist festgestellt worden, dass Menschen zufriedener sind, wenn sie nicht nachdenken, sondern intuitiv handeln. Dieser Zusammenhang basiert auf einer Reihe von vielen Erfahrungen, also neuronalen Verschaltungen. Liegt das nicht vor, ist man vermutlich nicht intuitiv, sondern naiv.


4. Das Gehirn und seine Implikationen


Das Gehirn löst im impliziten System ein Problem! Das Explizite, also das Bewusste, die heute immer noch so bezeichnete Ratio, ist ein begrenztes System. Das sind vier, fünf oder sechs Eigenschaften (z.B. Zahlen). Dieses System steht mit dem impliziten System in Verbindung und gibt Informationen, z. B. Sprechen oder Autofahren – alles ist im impliziten System vorhanden.


Da gibt es keine Bits- und Bytesbeschränkungen, das implizite System macht Menschen effizient. Harvard schätzt, dass 95% der Entscheidungen für Konsum im impliziten System getroffen werden, d.h. ohne Reflektion aus einem Bauchgefühl heraus!


Viele Entscheidungen laufen mit low-involvement ab oder low-interest – eines der wichtigsten Ansätze in der Werbepsychologie, in der schon vor langer Zeit festgestellt worden ist, dass 95% der Werbekontakte (Anzeigen, Plakate, Mailings etc.) unter low-involvement ablaufen, d.h. implizit.


4. Komplexität und Homo Oeconomicus


In der Schule lernen wir, dass langes Nachdenken zu besseren Entscheidungen führt. Aber gerade bei komplexen Problemen hilft das nicht. Oft ist die drittbeste Lösung die Beste (vgl. Niklas Luhmann, Systemtheorie).


Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass es die implizite Ratio gibt. Wenn es also ein Muster von zwölf Produkteigenschaften gibt, dass explizite System aber nur fünf verarbeiten kann, muss der Prozess in kleineren Portionen ablaufen. Das führt dazu, dass nicht das ganze Muster der Produkteigenschaften auf dem Plan ist. Der innere Autopilot, das implizite System, kann das Gesamtmuster aufnehmen und kommt bei komplexeren Problemen zu besseren Lösung. Die Erkenntnis, dass Nachdenken nicht immer weiterführt erfordert ein Umdenken bei uns allen!


5. Faulheit auf der Überholspur der Ratio


Worum geht es bei diesen Mustern im impliziten System? Muss ich eher Wissen ansammeln oder Alltagserfahrung?

Die meisten Menschen sind, aufgrund von 2.000 – 3.000 Kontakten mit Werbung jeden Tag, Konsumexperten! Es gibt gefühlt ca. 50.000 Marken. Das alles passiert schon in frühester Kindheit, auch kleine Kinder können daher als Konsumexperten bezeichnet werden.


Der Mensch möchte gar nicht nachdenken und, was man früher immer beim Homo Oeconomicus geglaubt hat, die Ratio einschalten, sondern er will verführt werden! Also hat der so genannte Autopilot Bedürfnisse nach Storys, nach Phantasiewelten, nach Träumen. Als Beweis dafür sind hier die erfolgreichen Filme von Steven Spielberg, Harry Potter, Mangas zu nennen.


6. Markenreligion und muntere Gebirgsbäche des Sinnes


Konsum und Marken sind nichts anderes als, säkular betrachtet, Akte der Tröstung. Bei den so genannten starken Marken wird das implizite System aktiviert. Über das limbische System geht es über den Hypocampus, die Sortierstelle, dann weiter ins Großhirn und in die vielen Speicher, die im Hinblick auf Marke als Kulturspeicher bezeichnet werden können.


Wichtig ist: Lässt die Marke mich träumen? Gibt es ein Belohnungssystem? Gibt es Tröstung? Anschließend läuft es über Reiz-Leiter Systeme und über Stimulis, um Marken in dem impliziten System positionieren zu können.


Gibt es verschiedene Wege der Decodierung? Wo kommt Etwas her? Wie war die Entwicklung der Geschichte in der Kulturtheorie? Ein Beispiel ist die Farbe Schwarz, die früher für Trauer stand und auch sonst vollkommen andere Bedeutung hatte und heute der Lifestyle- und Szenerenner ist.


Es geht auch um Rituale und Belohnung, wie z. B. Kaffee trinken, wo automatisch Duft und so genannte Gemütlichkeitsbahnungen assoziiert werden. Wir wissen, dass Venedig romantisch ist, dass man der Gastgeberin beim ersten Mal möglichst keine Rosen mitbringt etc. – alles das sind Decodierungsregeln!

Unser Gehirn ist süchtig nach Neuem. Neues lernt es am besten, wenn Bekanntes mit dabei ist. Auf komplett neue Informationen und Botschaften reagiert der Autopilot irritiert, das allerdings ist auch gerade wiederum ein Thema der Kreativität, um wirklich wirklich mal in den freien Fall und auf eine neue Bedeutungs- und Muster- Prägungsebene zu kommen!


Marken als Tröstung und Belohnung? Jede Biermarke verkauft heute ein „Verflüssigungsversprechen“, was sehr schön in den Anzeigenmotiven zu sehen ist. Hier wird zu 90% Wasser gezeigt. Es geht um das, was in der Tiefe liegt, also um Tiefenpsychologie. Keiner würde sagen „ich kaufe Krombacher, wegen des schönen Sees mit der Insel“, sondern „Krombacher schmeckt mir“, aber der tiefere Grund ist eben der See und die Insel.


Wird es also so sein, dass Erfolge in neuen und zukünftigen Märkten davon abhängen, wie wir das implizite System und den Autopiloten bedienen und beeinflussen können?


Das „was“ wir tun, wird sich vermutlich wenig verändern, allerdings das „wie“! Die Basisbedürfnisse haben sich im Gehirn nicht verändert, aber wir sprechen anders, wir spielen anders, wir machen andere Liebesgeständnisse auf der Basis grundsätzlicher Bedürfnisse.


Hinter allem liegt das Streben nach sozialer Nähe. Wenn diese Muster gut bedient werden, hat StoryTelling Marketing eine hohe Eignung – Aschenputtel wird als Pretty Women neu erzählt.

Mittwoch, 25. August 2010

Das ist Designmanagement!

Praxisorientiertes Seminar für Berater, Betriebswirte, Designer, Kommunikations- und Interface-Designer, die DesigmanagerInnen werden wollen!


Ziel

Betriebswirtschaft, technische Forschung und Entwicklung und Produktion werden mit der sinnlichen Wahrnehmung, Kommunikation, Kreativität und Innovation verbunden. Auf nicht kalkulierbaren Märkten, in denen schnelle Entscheidungen „Zappligkeit“ und stets geringer werdende Halbwertzeiten für das Wissen kennzeichnend sind gibt es mit der Fusion von Logik und Emotion ein neues Verständnis in der Produktentwicklung und Kommunikation: Designmanagement!


Inhalt

Design ist analytisch und ökonomisch, aber auch kreativ und emotional! Im Design findet Prozesssystematisierung, Rationalisierung und Optimierung statt. Auf der kreativen Seite gibt es Gefühle, Überraschungen, Begeisterung, divergente Eindrücke und Erlebnisse.

Es geht darum, Designmanagement in betriebswirtschaftlichen und kommunikativen Prozessen als durchgängige Disziplin in den Tätigkeitsfeldern „Digitales Branding“ sowie Online- und Dialogmarketing zu etablieren.


· Kreativität und Innovation im Fadenkreuz der Kritik

· Designmanagement als Beitrag zur Kreativität

- Normatives, praxisorientiertes Designmarketing

- Strategisches Designmarketing

- Operatives Designmarketing

· Prinzip und Praxis von Kreativitäts- und Designmanagement

- Leitlinien zum Umgang mit Komplexität

- Mechanismen und Methode

- Analysen und Interaktion

- Planung und Konstruktion

- Kontrolle und Sinnpflege

- Produkte und ihre Bedeutung

- Einflüsse auf die Kommunikation

· Quantitative und qualitative Märkte

· Markteintrittsbedingungen und Markteintrittsberechtigung

· Nutzentabellen und Benefit-Chain

· Werthaltigkeit und Mehrwertkomponenten

· Phänomen Kreativität

- Analysen und Entwicklung

- Quellen der Kreativität

- Kreativität und Ästhetik als sinnlicher und phänomenologischer Prozess

· Ästhetik als sinnliche Wahrnehmung zu Entwicklung von Kreativität

· Kreativität und Designmanagement als neue Produktionsfaktoren

- Werthaltigkeit und Mehrwertkomponenten

- Wissen und Kreativität

- Die „Bohemisierung“ der Wirtschaft

- Kreativität in Kultur und Künsten

- Bestimmungskriterien der Produktpositionierung

- Positionierung

· Positionierungsprozess, Worldmaking und Auraentwicklung (Machbarkeit und Bewertung)

· Das Marketing hinter dem Marketing

· Der multioptionale Prosument im Marketing tiefenpsychologischer Verfassungen

· Anwendung und Auslotung von Kreativität

· Zukunftsgestaltung von Produkten und Dienstleistung in einer immateriellen Gesellschaft

· Ästhetik und Kreativität als Wertschöpfungstreiber

· Designmanagement als Gestaltung, visionäre Strategie, Zukunftsfaktor und zukünftig relevanter Trend in Wirtschaft und Gesellschaft

· Neuromarketing und Tiefenpsychologie

· Kunst und neuronale Strukturen in Marketing und Design

· Story-Telling und Erzählstrukturen für den Autopiloten im Unterbewusstsein


Design und Designmanagement sind Dienstleistungen für Andere. Design muss in heutigen und zukünftigen Märkten definiert, erklärt, begründet, vermarktet und beworben werden. Es geht nicht mehr darum was Produkte leisten, sondern was sie versprechen!


Hintergrund

Deutschland und weite Teile der EU haben weniger ein Standort-, Lohn- oder schon gar keinen Lohnnebenkostenproblem, sondern ein Kreativitäts- und Kommunikationsproblem.


Die Praxis erfordert immer mehr Grenzgänger. Es geht um die Vernetzung von Design und Betriebswirtschaftslehre in den Grundzügen aber auch mit vielen angrenzenden Disziplinen.


Designmanagement ist das Differenzierungsmerkmal für Produkte mit Zukunft. Es geht um ein neuen ROI – Return on Ideas – und die Entwicklung von weniger produktionsorientierten Volkswirtschaften zu Volkswirtschaften, die auf der Entwicklung von kreativen Ideen, Produkten und Prozessen sowie dem Navigieren mit Wissen und Kreativität basieren.


Nutzen

Sie begegnen den Anforderungen des Marktes nach neuen Produkten, innovativen Dienstleistungen, interaktiven Erlebnissen oder kommunikationsorientierten Angeboten und einem psychologisch positiv programmierten Prozessabläufen auf allen Wertschöpfungsstufen in einem einzigen Seminar.


Designmanagement ist damit kreativitätsgebundenes und ästhetikorientiertes Management als wertgebender und werttreibender Wirtschaftsfaktor.


Methode

Vorträge, Workshops und praktische Übungen im Wechsel.


Zielgruppen

Product-Manager, Berater, Online-, Dialog- und Eventmanager in Agenturen, Industrie- und Handelsunternehmen; aus kaufmännischen und kreativen Tätigkeitsfeldern.


Dauer

2 Tage